Kunst und Theologie

Im Interview sprach Martin Jufer mit dem Pfarrer und Musiker Stephan Urfer.

Martin Jufer: Was sollte die Leserschaft zu deiner Person wissen?

Stephan Urfer: Ich bin 1973 geboren, nach einer Berufslehre studierte ich klassischen Gesang am Konservatorium mit Nebenfach Klavier. Das Theologiestudium in Fribourg und Bern und längere Aufenthalte in Ghana, Israel und Irland brachten mich letztlich ins Pfarramt der Ref. Kirche. 2023 erschien mein Buch «Das Haus im Himmel. Erzählung einer Gottessuche.» Das zweite Buch, eine Fortsetzung des ersten Buches, ist in Bearbeitung. Neben meiner Tätigkeit als Pfarrer trete ich regelmässig in Konzerten auf.

Als Musiker, Autor und Pfarrer lebst du in verschiedenen Berufsfeldern. Wie begegnen sich diese Welten?

Es sind verschiedene Rollen, aber diese unterscheiden sich nicht gross voneinander. Vielleicht müsste man eher von anderen «Gängen» sprechen, die man einschaltet. Es geht eigentlich immer um Kommunikation. Je nach Rolle wechselt man den Gang, aber es bleibt immer Kommunikation – von Mensch zu Mensch, vom Menschen zu Gott, und hoffentlich auch von Gott zum Menschen.

Was können Künstler/-innen von Theolog(inn)en lernen und umgekehrt?

Wenn man Theologie nicht nur als «wissenschaftliches Nachdenken über Gott» versteht, sondern auch als gelebte Spiritualität, kann Theologie Inspiration schenken, ohne die keine echte Kunst entstehen kann.

Und Theolog(inn)en können von Künstler/-innen lernen, wie man Inhalte in Formen giessen kann, die beim Menschen An-Klang finden. Bei den Begriffen «Kunst» und «Theologie» kommt es aber darauf an, wie man diese Begriffe definiert. Ich wage folgenden Satz zu sagen: «Jede gute Theologie ist Kunst, jede gute Kunst ist Theologie.»

Wie erfährst du Ermutigung als Theologe und als Künstler?

Ein im Alltag gelebtes geistliches Leben ist die Grundlage, realistisch, aber geplant, so dass der Alltag einem nicht ständig einnimmt. Das heisst: Gebet, Stille, Lesen, im Austausch sein mit «Freunden Gottes», wie Teresa von Avila sagte: «Willst du Gott kennen, lerne seine Freunde kennen.» Und spezifisch als Künstler: Sich inspirieren lassen von anderen Künstlern.

Ich kenne den Zusammenhang von bewusster Hinwendung zu Gott und der Berufung in die Kunst. Hast du selbst erlebt, dass Gott dich mit einem Ruf in die Kunst überrascht hat?

Eine kleine Geschichte: Ich habe mal spontan in einem Restaurant gesungen, in dem eine Frau an einem Klavier Musik gemacht hat. Nach dem kleinen Konzert gab mir der Wirt als Dank eine Flasche Olivenöl. Damals war ich noch sehr unsicher, ob ich weiter in meine Gesangsausbildung investieren soll. Am nächsten Tag schenkten mir Freunde wieder eine Flasche Olivenöl. «Ob das Zufall ist?», fragte ich mich. Als ich einige Tage später bei meinem Vater zum Nachtessen eingeladen war betete ich vorher: «Gott, wenn dieses Öl ein Zeichen ist, dass ich den Weg mit dem Gesang weiterverfolgen soll, dann mach doch bitte, dass auch mein Vater mir eine Flasche Olivenöl schenkt. Nie zuvor und nie danach hat mir mein Vater eine Flasche Olivenöl geschenkt, aber genau an diesem Abend!

Herzlichen Dank für den wertvollen Austausch.

Quelle: wort+wärch-Ausgabe vom Februar 2025 | Text: Martin Jufer, Leiter a.i. von LäbesKunst | Bild: zVg, Pixabay