«Wenn ich Ihnen sagen würde, ‹da draussen auf der Strasse ist ein rosaroter Elefant› – würden Sie das glauben? Das ist doch absurd! So ist Glaube an einen Gott. Es gibt keine Beweise für ihn.» So forderte mich kürzlich ein zufällig im Restaurant getroffener Atheist heraus.
Was ist die Wahrheit? Wie finden wir sie? Diese Fragen beschäftigen die Menschheit und prägen unser Denken und Handeln möglicherweise stärker, als wir uns bewusst sind. In diesem Artikel möchte ich einen groben Überblick über die Vorstellung von Wahrheit im Laufe der Zeit geben und erläutern, was das heute mit uns und unseren Kindern zu tun hat.
Wahrheitsbegriff im Wandel der Zeit
In der Vormoderne gingen die meisten Menschen davon aus, dass es eine Form von Gottheit gibt. Diese galt als Autorität und Quelle von Wahrheit. Das heisst, man zollte ihr Respekt und Verehrung und suchte ihr zu gefallen. Unerklärbares deutete man als Zeichen von Gott oder Göttern. Zuckende Blitze deuteten beispielsweise auf einen wütenden Zeus.
Da man in unterschiedlichen religiösen Systemen zu verschiedenen Schlüssen kam, was Wahrheit ist und man davon ausging, dass nur einer Recht haben kann, waren Konflikte vorprogrammiert. Diese waren oft grausam und blutig.
Das Recht, Offenbarungen zu deuten und Wahrheit festzulegen, war religiösen oder auch staatlichen Oberhäuptern vorbehalten. Nicht immer ging es dabei primär um echte Wahrheitsfindung, oft waren eher Macht, Einfluss, Ansehen oder persönliche Vorteile massgeblich. Ein gutes Beispiel dafür ist der Ablasshandel, der nicht der biblischen Wahrheit entspricht, aber sehr einträglich war.
In der Aufklärung wurden dann objektivere Wege zur Wahrheitsfindung gesucht. Innovative Denker fanden wissenschaftliche Methoden, um bisher unerklärbare Phänomene zu erforschen und zu verstehen. Damit die breite Masse weniger manipulierbar sein sollte, entstanden Volksschulen. Diese Bewegung war anfangs stark von christlichen Denkern geprägt – doch das werden unsere Kinder in der Schule nicht unbedingt hören. Leider ging die Menschheit so weit zu denken, dass es für alles eine natürliche Erklärung gibt, dass es nichts Übernatürliches und Transzendentes gibt und dass menschliches Leben ohne höhere Macht funktioniert. Man dachte, alle Wahrheit sei durch wissenschaftliche Methoden und menschliche Logik erfassbar. Damit würde sich Krieg erübrigen, denn rational denkende Menschen sollten sich doch auf Wahrheit einigen können, oder?! Gläubige Menschen galten plötzlich als rückständig, naiv, manipulativ und Streit verursachend – vormodern halt.
Es hat sich gezeigt, dass «moderne», atheistische Systeme zu den verlustreichsten und gewissenlosesten Kriegen geführt haben. Gerade in den geisteswissenschaftlichen Fächern wird heute wieder eine andere Form von Wahrheitsfindung propagiert (mehr dazu in einer späteren Ausgabe vom wort+wärch). Dennoch werden unsere Kinder der «modernen» Wahrheitsfindung begegnen, insbesondere wenn sie sich für Naturwissenschaft interessieren. Aber auch das «vormoderne» Wahrheitsmodell begegnet uns, denn es ist zutiefst menschlich und lässt sich nicht so einfach ausmerzen. Bestimmt kennen unsere Kinder und auch wir die Versuchung, die Wahrheit etwas zurechtzubiegen, wenn es uns einen Vorteil bringt.
Aufgeklärtes Wahrheitsverständnis und christliche Erziehung
Wenn Kinder in der Schule erleben, dass der Glaube an einen Schöpfergott als naiv betrachtet wird, ist das eine grosse Herausforderung. Wer will denn schon naiv sein?! Es ist wichtig, als Eltern sensibel zu sein und solche Themen aufzugreifen, gerade auch dann, wenn die Kinder das Thema nicht selber bringen. Sie sollten wissen:
- Als Christen sind wir nicht gegen Wissenschaft. Es ist richtig und gewinnbringend, die Natur mit wissenschaftlichen Methoden zu erforschen, es gehört sogar zu unserem Grundauftrag (1. Mose 1, 28). Sich die Erde «untertan» zu machen bedeutet, sie zu verstehen und zu nutzen – ohne sie auszubeuten.
- Mit naturwissenschaftlichen Methoden lässt sich vieles erklären, jedoch nicht, woher Materie oder das Leben kommen. Lassen wir uns da nicht von der Selbstsicherheit (resp. Überheblichkeit) von Wissenschaftlern täuschen! Noch nie konnte nachgewiesen werden, dass aus toter Materie Leben entsteht. Zu denken, dass diese Beweise in Zukunft bestimmt erbracht werden können, ist Glaube ohne wissenschaftliche Grundlage. Auch die Wissenschaft kommt nicht ohne Grundannahmen aus, die geglaubt werden müssen.
- Es stimmt, dass wir Gott nicht nach naturwissenschaftlichen Kriterien beweisen können. Allerdings können wir die Auswirkungen seines Wirkens sehen (z. B. die Schöpfung). Und es gibt glaubwürdige Zeugen, die in sehr gut überlieferten Dokumenten (der Bibel) von Gott und seinen Taten erzählen.
Zur Frage von Schöpfung und Evolution oder der Glaubwürdigkeit der Bibel gibt es viele gute Literatur. Warum nicht gemeinsam mit Kindern ein ansprechendes Buch aussuchen und durchgehen?
Auf die Sache mit dem rosaroten Elefanten hätte ich antworten können (leider tat ich es nicht, da das Gespräch in Englisch war und ich oft nicht so schlagfertig bin): «Wenn Sie mir das erzählen würden, wäre es wirklich absurd, aber wenn meine langjährige, zuverlässige Freundin hier am Tisch es selber gesehen und mir erzählen würde und neben ihr noch weitere vertrauenswürdige Personen, wenn ich ausserdem rufende und lachende Personen aus dieser Strasse kommen sähe und dann noch Getrampel hören würde – fänden Sie es dann nicht dumm, wenn ich es nicht glauben würde? Noch viel dümmer ist es, nicht an Gott zu glauben, denn das Glauben oder Nichtglauben an Gott hat im Gegensatz zu einem Elefanten sehr weitreichende Konsequenzen für mein Leben.»
Bericht ist in der April-Ausgabe vom wort-wärch erschienen. | Text: Gabi Jacobi, Kinder & Familien im EGW | Bilder: zVg, Canva