Mehr als ein Job

Mittwoch, 26. August 2026

Die Berufung, Gottes Schöpfung zu bewahren, gilt allen Menschen – in besonderer Art auch den Bauern. Ueli Stucki aus dem Fermeltal sieht sich als Gottes Werkzeug in dessen Schöpfung und gibt Einblick in sein Tun.

«Für mich war immer klar, dass ich Bauer sein wollte», sagt Ueli Stucki (52). Er ist das älteste von sechs Geschwistern und dass sein einziger Bruder mehr als 13 Jahre jünger ist, drängte ihn bei Übernahme des elterlichen Bauernbetriebs in die Polposition. Und er liebte diesen Beruf über alles.

Eine einschneidende Berufungserfahrung hatte Ueli nie. Sehr stark empfand er aber die Leidenschaft beim Arbeiten. Schon als Viertklässler ging er mit den Grosseltern «z’ Bärg» oder kümmerte sich zu Hause um die «Gusti». Grundsätzlich war Arbeiten für ihn keine Last, «das gehörte einfach dazu». Soweit sich Ueli erinnern kann, war für ihn immer klar: «Ich werde Bauer!»

Berufung Familie

Sein erstes Bauerlehrjahr absolvierte Ueli in Yverdon, das zweite dann auf dem elterlichen Betrieb. Dieser wurde in den folgenden Jahren erweitert. Zunehmend entwickelte Ueli einen Wissensdurst und bildete sich weiter. Im Jahr 2000 schloss er mit der Meisterprüfung ab. Im Folgejahr verstarb sein Onkel, der im selben Tal einen Bauernbetrieb geführt hatte. Damit Uelis Cousin in jener Zeit bei seiner Mutter und dem elterlichen Betrieb bleiben konnte, wurde er Uelis erster Lehrling – weitere folgten. In dieser Zeit erkrankte Uelis Vater an Krebs und als seine Kräfte nachliessen, war Ueli froh, mit einem Lehrling Unterstützung zu haben.

2004 starb der Vater und der Besitz wurde unter den Geschwistern aufgeteilt. «Das lief problemlos ab», blickt Ueli dankbar zurück und betont dabei den Wert eines versöhnten Miteinanders in der Familie. Zur Berufung gehört für Ueli auch seine Ehe mit Patricia, die wertschätzende Gemeinschaft mit seiner Mutter und auch mit weiteren Familienangehörigen.

Ausbilden von Lehrlingen

Seither bildet Ueli jährlich Lehrtöchter und Lehrlinge aus. Sich ins Leben junger Menschen zu investieren und sie beruflich auszubilden, ist für Ueli eine grosse Verantwortung. «Ich möchte meinen Lernenden Freude an der Landwirtschaft vermitteln und ihnen beibringen, gute Arbeit zu verrichten.» Die Lernenden leben bei Patricia und Ueli in der Wohnung und haben dadurch Einblick in ihr Leben. «Es ist mir wichtig, dass sie sich bei uns wohlfühlen. Unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Herkunft.» Dabei fragen sie sich: «Was leben wir vor? Sind wir authentisch?» Zu Stuckis Alltag gehören das Lesen aus einem Andachtsbuch und gemeinsame Gebetszeiten. Sie beten für Gelingen bei den täglichen Aufgaben. Ueli freut sich, wenn Geschwister von ehemaligen Lernenden bei ihnen ins Lehrjahr kommen wollen.

Ueli bezeichnet sich als geselligen Menschen und erzählt, wie es für ihn schwierig sein würde, in einem Zug zu sitzen, ohne mit Mitreisenden ins Gespräch zu kommen. So freut er sich auch an fröhlichen Stunden zusammen mit seinen Lehrlingen.

Natürlich ist das Ausbilden mit Aufwand verbunden, doch es kommt auch viel zurück. Und mit den ehemaligen Lernenden haben Stuckis auch heute noch ein gutes Verhältnis.

Bauer als Berufung

«Der Bauernberuf ist mehr als ein Job, er ist eine Lebensform. Für mich gibt es keinen schöneren Beruf als Bauer zu sein.» Das bedeutet, in und mit Gottes Schöpfung zu arbeiten. Den Tod von Tieren zu verkraften, gehöre da gleichermassen dazu wie das Erwachen der Natur im Frühling zu beobachten. «In allem ist Gottes Segen ein wichtiger Faktor!» Das beginnt mit dem Regen im Frühling und beinhaltet auch die Gesundheit der Tiere. Hier ist Ueli auf Gottes Segen angewiesen und das Gebet gehört zu seinem Alltag. «Bauern und Beten gehören zusammen.»

Die Berufung, die Schöpfung zu bewahren gilt allen Menschen, doch niemand könne dem so gut nachkommen wie die Bauern. «Einen guten Pflanzenbestand zu bewahren ist wichtig und wertvoll», gibt er ein Beispiel. Und mit strahlenden Augen kann er lange ausführen, wie dies konkret geschieht.

Ueli ist überzeugt, dass Tier- oder Gewässerschutz weniger ein Thema wären, wenn sich die Menschen besser ums Wohl der Schöpfung bemühten. «Das Anliegen für Biodiversität kann nicht mit Vorschriften geweckt werden», sagt er und weist darauf hin, dass selbst gutgemeinte Vorschriften nicht zwingend zielführend seien. Es sei sein inneres Anliegen, ein Bauer zum Wohl der Schöpfung zu sein, welches ihn beispielsweise zu Überlegungen motiviert, wie sich Vögel im Fermeltal wohlfühlen können. Letztlich sei er «Gottes Werkzeug in dessen Schöpfung».

Staunen über Gottes Schöpfung

Ueli ist ein Tierliebhaber. «Wir haben Original-Simmentalerkühe mit Hörnern. Darauf sind wir schon etwas stolz.» Normalerweise hat er einen eigenen Zuchtmuni und beobachtet gerne, wie Kälber zu schönen Kühen heranwachsen. «Tiere sind ein Wunder und ein Geschenk Gottes.»

Die Viehzucht und die Pflanzenwelt greifen ineinander. «Die Kuh frisst Gras, das der Mensch nicht verwerten kann. Und dann gibt sie Milch, von der wir Menschen profitieren können.» Ueli staunt, wie gut Gott die Schöpfung gemacht hat. «Wenn ich zu den Tieren, den Pflanzen und dem Land Sorge trage, wird sich das irgendwann auszahlen.» Diese Verantwortung trägt er gerne und ist dankbar, dabei mit Gottes Hilfe rechnen zu können. «Wir beten täglich um Bewahrung, aber auch um Weisheit, um die richtigen Entscheide zu treffen.»

Der Artikel erschien in der wort+wärch-Ausgabe vom August-September 2026 | Text: Markus Richner-Mai - Redaktion  |  Bilder: Markus Richner-Mai