Gemeinde ist mehr als nette Gottesdienste

Mittwoch, 26. August 2026

Viele von euch kennen Daniel Freiburghaus. Doch wie kam es dazu, dass er heute im EGW tätig ist? Was ist seine grosse Leidenschaft und welchen Zusammenhang sieht er zwischen den Berufen Bauer und Pfarrer?

Kindheit und Jugend

Schon als kleiner Junge war Daniel klar, dass er eines Tages in die Fussstapfen seines Vaters treten möchte. Mit 25 Jahren hatte er das Meisterdiplom als Bauer in der Tasche und arbeitete auf dem Betrieb seiner Eltern in Milchwirtschaft und Ackerbau.

Während seiner Jugendzeit kämpfte er stark mit dem Gefühl, nie genug zu sein für Gott. Er hatte versucht, durch Krampfen und sich Mühe geben, Gott zu gefallen, aber es reichte nicht. Er hatte sich immer wieder für Gott entschieden, doch die Gewissheit, von Gott angenommen zu sein, blieb aus. Eines Tages erlebte er, wie Gott bei einem Unfall auf dem Hof, der menschlich gesehen tödlich gewesen wäre, durch übernatürliches Eingreifen sein Leben rettete! «In diesem Moment konnte ich gar nichts tun, nichts leisten, nichts erkrampfen, aber Gott hat trotzdem eingegriffen.»

«Auf einen Schlag war mir klar: Jetzt habe ich nichts für Gott gemacht oder das Richtige geglaubt, und trotzdem rettet Gott mich aus dieser Situation! Warum? Da merkte ich: Nicht nur ich versuche Gott nahe zu sein, sondern auch er möchte mich bei sich haben.» Dieses Ereignis war der Beginn eines Umdenkens und Neu-Verstehens, wie Gott ist und wie die Beziehung mit ihm aussehen kann.

Das schwierige Ringen um Klarheit

Kurz vor dem Unfall hatte Daniel sich für eine Jüngerschaftsschule in Winterthur angemeldet. In diesem halben Jahr tauchte erstmals die Frage auf, warum es für ihn immer klar gewesen war, Bauer zu werden. Dies war der Beginn eines längeren und anspruchsvollen Prozesses, welchen Weg er in seinem Leben einschlagen sollte. Schliesslich entschied er sich, ein Theologiestudium am IGW zu beginnen. Diese Entscheidung musste er ohne ein eindeutiges Reden von Gott treffen. «Ich hätte mir Klarheit von Gott gewünscht, aber Gott hat mir das nicht gegeben.» Bei allen grösseren Entscheidungen in seinem Leben, wünschte er sich vergeblich dieses klare Reden von Gott. Rückblickend erkennt er jedoch deutlich, wie Gott die von ihm eingeschlagenen Wege gesegnet hat und ist heute überzeugt, dass gerade der Schritt zum Pfarrer die richtige Entscheidung war. Daniel arbeitete nach dem Studium 19 Jahre als Pfarrer in zwei EGW-Gemeinden und wechselte dann ins EGW-Gesamtwerk als Ressortleiter Gemeinden und Weiterbildung. Er ist seit 25 Jahren mit Regula verheiratet und Vater von drei Töchtern zwischen 16 und 22 Jahren.

Die Ähnlichkeiten von Bauer und Pfarrer

Bald nach seinem Antritt als Pfarrer merkte Daniel, dass das Lebensgefühl als Pfarrer dem als Bauer sehr ähnlich ist. Beide Berufe sind ganzheitlich und lassen sich kaum vom Privatleben trennen. Bei beiden organisiert, strukturiert und motiviert man sich selbst. Man ist abhängig von der Natur, muss sich ihr anpassen und es braucht viel Geduld. Man sät aus und wartet auf den Prozess. Man versucht das Wachstum zu unterstützen und freut sich an der Ernte. «Du arbeitest, du hoffst, du säst.» Man weiss nie ganz sicher, wie es rauskommt. «Das Einzige, was klar ist: Wenn du nichts säst, erntest du auch nichts.» Dies sieht er eins zu eins auch in seinem Beruf als Pfarrer. Und manchmal darf er auch ernten, wo andere gesät haben. Ein grosses Plus am Pfarrberuf sieht er darin, dass er nicht nur in seiner Freizeit in Gottes Reich investieren kann, sondern den ganzen Tag als Hauptfokus – inklusive Lohn!

Gemeinde – sein Herzensanliegen

Daniel ist ein eher introvertierter Mensch, doch die Gemeinde ist sein absolutes Herzensanliegen. Diese Idee Gottes – der Neue Tempel, seine Braut – hat sein Herz entfacht. In Epheser 3,10 steht, dass die Engel und Dämonen beobachten, wie wir uns als Gemeinde um Jesus versammeln und sie darin Gottes Weisheit erkennen. Gott hat entschieden, dass die Gemeinde der Ort ist, an dem sein Geheimnis offenbar wird. «Wenn wir das glauben, realisieren und begreifen, dann ist Gemeinde nicht nur nette Gottesdienste und Programme, sondern Ort der Gegenwart Gottes – weil ER es so entschieden hat.» Deshalb dürfen wir davon ausgehen, dass wir Gott begegnen, wenn wir in den Gottesdienst gehen! Egal welche Menschen wir dort antreffen und ob die Gemeinde unseren Ansprüchen entspricht oder nicht.

Die Gemeinde als «Pflegefamilie»

Viele fühlen sich unter Druck, «neue Leute in die Gemeinde zu schleppen». Daniel sieht es eher so, dass Gott auf der Suche nach guten «Pflegefamilien» für die Menschen ist. Die Frage ist, ob wir dazu bereit sind, unsere Dynamik stören zu lassen. Wenn wir zulassen, dass Gott jemanden «platziert», verändert das alles! Daniel erlebte dies zum Beispiel in seinem Hauskreis: Die Teilnehmer entschieden gemeinsam, dass Gott jemanden platzieren darf, und wünschten sich dann von ganzem Herzen, dass Gott sie mit jemand Neuem segnet. Mit dieser Herzenshaltung fragten sie Gott, wer diese Person sein könnte. Kurz darauf durften sie jemanden aufnehmen, der kürzlich Christ geworden war. «Das ist so wunderbar, da kommt eine neue, unverbrauchte Frische rein! Neue Fragen, neue Perspektiven, eine veränderte Dynamik. Das bringt neues geistliches Leben!» Daniel möchte uns ermutigen, Gott unsere Dynamik stören zu lassen und unsere Gemeinden bereit zu machen für die Menschen, die er uns bringen möchte!

 

Der Artikel erschien in der wort+wärch-Ausgabe vom August-September 2026 | Text: Melea Liechti, EGW Belp  |  Bilder: zur Verfügung gestellt