Seit zwei Jahren ist Manuel Hügli im Vorstand der Dargebotenen Hand (Bern). Er vertritt dort das EGW. Im Interview gibt er uns einen spannenden Einblick in diese wertvolle Arbeit.
wort+wärch: Danke Manuel, nimmst du dir Zeit und gibst uns einen Einblick in die Arbeit der «Dargebotenen Hand». Kannst du uns erklären: Was macht die Dargebotene Hand?
Manuel Hügli: 143.ch, bei einigen besser bekannt als «Die Dargebotene Hand», kann als emotionale Erste Hilfe bezeichnet werden. Es sind an jedem Tag im Jahr rund um die Uhr freiwillige Mitarbeitende bereit, um ein offenes Ohr und Zeit zu haben. Erreicht werden diese auf dem bekanntesten Weg per Telefon (143), aber auch via Chat oder per Mail.
Warum ist diese Arbeit heute wichtig – und wird zunehmend wichtiger?
Die Einsamkeit oder vor allem das Gefühl der Einsamkeit ist allgegenwärtig. Es ist oft die fehlende Möglichkeit, sich austauschen zu können, oder nicht die vertraute Basis zu haben, um sich auszutauschen, die die Menschen dazu bewegt, 143 zu wählen. Eindrücke und Bedrückendes einem Gegenüber zu erzäh-
len, ohne bewertet oder gar entwertet zu werden, tut uns allen gut. Wunderbar, wenn wir ein Gegenüber haben, wo wir das dürfen. Ob es zunehmend wichtiger wird oder einfach wichtig bleibt, ist schwer zu sagen.
Ihr führt viele Gespräche und hört viel über die Nöte der Menschen. Was beschäftigt die Menschen heute, dass sie euch anrufen?
Die freiwilligen Mitarbeitenden beim 143.ch – Die Dargebotene Hand Bern führt effektiv viele Gespräche. Ich bin jedoch nicht am Telefon tätig, sondern lediglich im Vorstand und darf strategisch begleiten. Wir werden aber immer wieder mit gewissen Inhalten der Telefonate konfrontiert und so kann ich aus meiner Sicht sagen, dass die Einsamkeit sicherlich ein grosses Thema ist. Auch psychisches oder körperliches Leiden, Beziehungsthemen, Existenzängste und der gesellschaftliche Druck werden oft thematisiert. Eigentlich kommen bei 143 alle Themen, Sorgen, Nöte und Ängste, welche uns Menschen bewegen können, zur Sprache. Und doch ist erstaunlich, dass am Telefon geweint aber auch zusammen gelacht wer-
den kann.
Und wie ist das EGW bei euch involviert?
Das EGW zählt mit der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn und der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Bern zu den drei Gründungsmitgliedern des 143.ch – Die Dargebotene Hand Bern. Es ist festgehalten, dass die drei Institutionen ein Vorstandsmitglied delegieren können, welches somit auch nicht gewählt werden kann/muss. Ich darf als Delegierter des EGW mitwirken.
Was hat dich motiviert, diese Aufgabe vor zwei Jahren zu übernehmen?
Vor etwa zwei Jahren wurde im wort+wärch nach einer Person gesucht, welche ebendieses Amt ausführen möchte. Nach einigem Hin- und Herüberlegen meldete ich mich bei Martin Schenk und fragte, ob sie immer noch auf der Suche seien. Martins Antwort war mein Start beim 143.ch Bern.
Durch das Aufwachsen in einer Freikirche, das Jungschileiten und die Mitarbeit im EGW Bern ist, wie bei wohl vielen Leserinnen und Lesern, die freiwillige Mitarbeit in der Gemeinde oder gemeindenahen Organisationen schon fast selbstverständlich. Die explizite Arbeit bei 143.ch Bern ist für mich aus zwei Gründen besonders spannend. Erstens ist die Arbeit, welche 143.ch
leistet, unglaublich wertvoll und sehr gesellschaftsrelevant. Zweitens gefällt mir das strategische Arbeiten sehr gut, wobei ich auch immer viel lernen kann.
Kannst du uns von einem Erlebnis berichten, dass dich in deiner Tätigkeit bei der Dargebotenen Hand besonders geprägt hat?
Einerseits durfte ich schon bei einem Telefonat dabei sein und erleben, was für Sorgen und Themen besprochen werden und wie empathisch, offen und professionell die freiwilligen Mitarbeitenden die Gespräche führen. Andererseits wird seit Kurzem das Telefon der Opferhilfe durch die freiwilligen Mitarbeitenden von 143.ch Bern entgegengenommen. Dabei durfte ich miterleben, wie komplex und vielfältig die Organisation zur Übernahme und für die Vorbereitungsarbeit ist. Die Stellenleiterin bzw. das Angestellten-Team von 143.ch Bern haben dies mit grossem Engagement und absoluter Genauigkeit gelöst.
Wie kann man euch unterstützen? Und ist es auch möglich, sich bei euch zu engagieren?
Wir sind immer dankbar fürs Mittragen im Gebet. Es kann explizit für die Stellenleitung und Ausbildung, die freiwilligen Mitarbeitenden und auch für die Vorstandsarbeit gebetet werden.
Da wir nicht vom Bund oder anderweitig getragen werden, finanziert sich das 143.ch vor allem durch die Beiträge der Gründungsmitglieder, durch Einnahmen aus Kollekten und weiteren Beiträgen von Kirchgemeinden und Gemeinden und Erträgen aus Leistungsaufträgen. Die Organisation 143.ch ist daher auf Spenden angewiesen. Wir sind um jede Spenderin und jeden Spender sehr dankbar. Und natürlich ist ein Engagement als freiwillige Mitarbeiterin oder freiwilligen Mitarbeiter möglich. Dazu verweise ich gerne auf die Website www.143.ch, auf welcher du weitere Informationen findest.
SH*T! WIE WEITER? - Podcast mit Geschichten, welche Mut machen: www.143.ch/regionalstellen/bern/#podcast
Bericht ist in der April-Ausgabe vom wort-wärch erschienen. | Das Interview wurde schriftlich geführt. | Text: Andreas Schmid, Redaktionsteam und Pfarrer EGW in Biel | Bilder: zVg, freepik