Feminismus: Omnipräsentes Gedankengut
«Mami, warum si die Froue hässig? Bisch du ou hässig? Muess i ou so wärde?» Diese Fragen könnte ein Mädchen stellen, das die Titelseite einer Zeitung vom 15. Juni 2026 zu Gesicht bekommt. «Immer no hässig» skandierten Tausende am diesjährigen Frauenstreiktag in vielen Schweizer Städten. Sie fordern die Gleichstellung der Geschlechter und sind mit dem bisher Erreichten keinesfalls zufrieden.
Diese Ausgabe der Apologetik-Serie beschäftigt sich mit feministischem Gedankengut, das in unterschiedlichster Ausprägung in unserer Gesellschaft omnipräsent ist. Dieses erreicht via Lehrpersonen und Medien die Kinderherzen und prägt ihr Rollenverständnis.
Der heutige Feminismus nahm im späten 19. Jahrhundert seinen Anfang. Seither gab es verschiedene Wellen mit unterschiedlichen Zielen und Methoden, so dass die Bewegung heute alles andere als homogen ist. Während die einen betonen, dass Frauen anders sind als Männer und diese Andersartigkeit anerkannt und wertgeschätzt werden soll, empfinden andere die Betonung der Andersartigkeit als diskriminierend und fordern die Gleichheit aller Geschlechter. Oder es herrscht Uneinigkeit darüber, ob Transfrauen gleichermassen in den Genuss der erkämpften Rechte kommen sollen oder ob das ein Verrat am «echten Feminismus» ist.
Meine Bewertung des Feminismus
Als Frau bin ich dankbar, ein gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein – mit Wahl- und Stimmrecht sowie der Möglichkeit, Verträge zu unterschreiben und mich zu bilden. Und ja, es schmerzt mich, dass viele Frauen auf dieser Welt gelitten haben und immer noch leiden. Dennoch kann ich mich mit den penetranten Forderungen und der oft derben Ausdrucksart überhaupt nicht identifizieren. Sie sind meiner Meinung nach ein Ausdruck der Überzeugung, dass Frauen grundsätzlich zu kurz kommen und mit allen Mitteln dagegen kämpfen müssen. Die Überzeugung, für einene Anliegen kämpfen zu müssen, ist nicht nur weiblich, sondern menschlich, kommt aber im Feminismus besonders deutlich zum Ausdruck. Ich entdecke in der Bibel keine Aufforderung, sich so fürs eigene Recht einzusetzen. Ich meine damit nicht, dass frau jede missbräuchliche Situation stumm aushalten muss. Aber Jesu Forderungen tönen anders: Sich selbst verleugnen und das Kreuz auf sich nehmen (Matthäus 16,24), sich einander unterordnen (Epheser 5,21) oder das Wohl anderer vor das eigene stellen (Philipper 2,3f). All das gilt nicht nur Frauen. Aber gerade mit meiner Weiblichkeit bin ich prädestiniert für Selbsthingabe, denn mit meinem Körper kann ich Leben schenken und Babys ernähren. Das ist keine Zumutung, sondern ein Geschenk Gottes.
Die oben erwähnten biblischen Tugenden wie Selbstverleugnung, Unterordnung oder Demut sind für Feministinnen gelinde gesagt nicht erstrebenswert. Das biblische Frauenbild gilt als grosses Feindbild. Zugegeben: in der Geschichte des Christentums wurden biblische Prinzipien missverstanden und sogar als Rechtfertigung zur Unterdrückung von Frauen missbraucht – das ist schlimm! Doch bei genauem Hinschauen erweist sich der biblische Gott als Frauenfreund.
Selbsthingabe kann nicht eingefordert werden. Wer sich aber freiwillig dazu entscheidet, dem ist eine neue Qualität von Freiheit verheissen. Es ist nicht falsch, sich gegen Ungerechtigkeit aufzulehnen. Klar ist aber auch, dass es auf der Welt nie vollkommene Gerechtigkeit geben wird. Wir sollten das auch nicht erwarten. Es braucht viel Mut und ist ein Vertrauensbeweis, in ungerechten Situationen nicht für sich zu kämpfen, sondern sich auf Gott zu verlassen und Schwieriges auszuhalten.
Paradox am Feminismus ist, dass sich der Kampf auch gegen Frauen richtet, die ein «konservatives» Frauenbild gutheissen und leben wollen. Und dass typisch weibliche Domänen nicht auf-, sondern eher abgewertet werden. Auch die Nähe zur Abtreibungslobby ist für mich unverständlich. Beide Bewegungen lassen sich kaum voneinander trennen. Dabei werden weltweit deutlich mehr Mädchen als Buben getötet – wo bleibt ihr Recht?! Dass Frauen, denen das Privileg geschenkt ist, Leben hervorzubringen, es als grossartiges Recht feiern, Leben vernichten zu dürfen, entlarvt den Feminismus als lebens- und letztlich schöpferfeindliche Ideologie.
Feminismus in der Erziehung
Ich empfehle, aufmerksam zu sein, wie das Rollenbild unserer Kinder geprägt wird. Reden wir mit ihnen über biblische und gesellschaftliche Frauen- und Männerrollen: «Wie kommen Frauen bzw. Männer in diesem Buch oder Film rüber?» (Bob der Baumeister beispielsweise liebenswürdig, aber tollpatschig, Rita stets souverän und die eigentliche Heldin). Oder: «Welche Charaktere und Rollenmodelle entdeckst du bei biblischen Personen? Mit welchen kannst du dich identifizieren, mit welchen nicht? Weshalb? Welche geschlechterspezifischen Gaben und Möglichkeiten hat unser Schöpfer Frauen und Männern geschenkt?»
Die meisten Kinder werden Personen begegnen, die ihnen vermitteln, wie sie als Mädchen oder Junge sein sollten – oder eben nicht. Das ist nie ermutigend. Mädchen dürfen laut, abenteuerlustig oder wild sein, es ist aber auch völlig in Ordnung, schüchtern und zurückhaltend zu sein. Es ist okay, wenn Jungs sich gerne messen, raufen und energiegeladen sind, aber ebenso, wenn sie sensibel oder angepasst sind. In der Bibel werden Charaktereigenschaften nicht einem bestimmten Geschlecht zugeordnet.
Keinesfalls wünsche ich mir, dass meinem Kind der «Kämpf-dafür-dass-du-nie-zu-kurz-kommst-Same» eingepflanzt wird. In Hebräer 12,15 steht: «Lasst nicht zu, dass eine bittere Wurzel zur Giftpflanze wird, durch die dann viele von euch zu Schaden kommen!» Da möchte ich lieber einen Samen der Demut, Selbsthingabe und Bescheidenheit säen.
Beten wir dafür, dass unsere Kinder fröhlich und dankbar ihre von Gott zugedachten Plätze und Rollen finden!
Anregungen zum Thema gerne an: gabi.jacobi [at] egw.ch (Gabi Jacobi)
Der Artikel erschien in der wort+wärch-Ausgabe vom August-September 2026 | Text: Gabi Jacobi, Kinder & Familien im EGW | Bilder: zVg, Canva