Alles, was ihr tut

Mittwoch, 4. März 2026

«Ich hatte das Vorrecht, Dienen zu dürfen», sagt ein Pfarrer und meint damit seinen Predigteinsatz. Und eine Frau leidet darunter, keine Möglichkeit zum Dienen zu haben, weil sie ihre Aufgabe in der Gemeinde noch nicht gefunden hat. Aber: Eine dienende Haltung können wir überall einnehmen – unabhängig von unseren Umständen und Fähigkeiten.

«Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, 
so sterben wir dem Herrn. 
Darum: wir leben oder sterben, 
so sind wir des Herrn.» Römer 14,8

Gottes Kinder werden wir durch Glauben und nicht durch Verhalten. Letztlich findet unser Glaube aber in unserem Verhalten Ausdruck. Wenn wir von Gottes Liebe erfasst werden, streben wir danach, gemäss seinem Willen zu leben. Erstens folgen wir seinen Anweisungen, weil wir erkennen, dass Gott uns gute Gebote gibt. Und zweitens wollen wir mit unserem Tun denjenigen ehren, den wir lieben. Wenn er alles für uns gegeben hat, wollen wir auch alles für ihn geben und keinesfalls wollen wir seine Gefühle verletzen.

Es geht nicht einfach darum, mehr zu tun

Als ein engagierter Familienvater mit anspruchsvollem Job erwähnt, dass er unter dem ständigen Druck leide, in der Gemeinde mitzuarbeiten, entwickelt sich ein spannendes Gespräch. «Natürlich würde ich gerne Gott dienen», führt er aus. «Doch meine Kräfte reichen kaum für das Übrige.» Sollte er seinen wertvollen Job wechseln oder die Zeit mit seiner Familie reduzieren? Krasse Massnahmen, denn er könnte doch auch Job und Familie als Dienst für Gott betrachten! Seine Arbeit ist nicht nur Broterwerb, sondern Privileg, anderen Menschen zu dienen – und die Beziehungen mit Arbeitskollegen und Kunden können vom Heiligen Geist geprägt und von Gottes Liebe durchdrungen sein. Und wenn er nach Hause kommt, hat er eine Familie, die ihn nicht nur erfreut, sondern gleichzeitig auch eine Möglichkeit bietet, Gott zu dienen. Wenn das Leiten einer Jüngerschaftsgruppe in der Gemeinde als «Dienst für Gott» bezeichnet wird, weshalb sollte dies nicht auch beim Zeitverbringen mit den eigenen Kindern möglich sein?

Motivation zum Dienen

Was bewegt uns zum Dienen? Wieso tun wir anderen Menschen Gutes? Diese einfach scheinenden Fragen sind gar nicht so leicht zu beantworten. Wir dienen Menschen, weil wir sie lieben. Jedenfalls sollte dies die grundsätzliche Motivation sein. Schliesslich gab Jesus seinen Jüngern das Gebot der Liebe mit: «Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe.»

Nicht selten kommt es jedoch vor, dass wir mit dem Dienst am Nächsten erreichen wollen, dass wir selbst geliebt werden. Und eine angesehene Stellung in der Gemeinde vermittelt das Gefühl, einen besonders wertvollen Dienst zu tun. Interessant, dass Jesus seinen Jüngern ausgerechnet mit dem unattraktiven Füssewaschen zeigte, was Dienen bedeutet. Ich frage mich, ob er heute Toiletten reinigen würde.

Für mehr leben als sich selbst

Wir Menschen möchten für mehr leben als nur für uns selbst. Gleichzeitig scheinen wir aber immer wieder auf eigene Interessen, Ansehen oder Annehmlichkeiten zurückgeworfen zu sein. Dieses innere Dilemma haftet uns zwar unser Leben lang an, durch Gottes Wirken an uns verliert es jedoch an Kraft. Durch Jesus werden wir frei von unserer selbstsüchtigen Natur. So schreibt Paulus:
«Denn ihr seid von der Herrschaft der Sünde frei geworden; ihr könnt jetzt Gott dienen und das tun, was ihm gefällt.» Römer 6,18
Frei zum Dienen! Ein Dienen, bei dem es nicht um meine Interessen geht, sondern darum, meinen Mitmenschen in der Liebe Gottes zu begegnen. Natürlich freue ich mich, wenn mein Dienen und meine Begabungen anerkannt werden und es ist schön, darin zu wachsen. Doch die letzte Genugtuung besteht darin, den Willen Gottes zu tun.

Gott loben im Gefängnis – eingeschränkt, aber in der Kraft des Heiligen Geistes

Dienen verleiht unserem Dasein Sinn. Und oft haben wir eine Vorstellung, wie dieser Einsatz aussehen sollte. Irgendwelche Umstände stehen dann manchmal im Weg. Einige Hindernisse können aus dem Weg geräumt werden – ein täglich stundenlanger Zeitvertreib am Handy ist beispielsweise keine akzeptable Gewohnheit. Es gibt aber auch Hindernisse, die einfach gegeben sind. So sehen sich Eltern durch die Krankheit ihres Kindes plötzlich in den Möglichkeiten ihrer Aktivitäten beschränkt.

Leider fühlen sich viele Frauen und Männer mit ihren Begabungen nicht gebraucht. «Ich habe so viel zu geben», sagen sie und leiden unter ihrem passiven Dasein. Andere fühlen sich in ihrem Job in einer Art Hamsterrad und fragen sich, wer denn eigentlich Nutzniesser ihrer Arbeit ist. Und trotzdem glauben sie, dass sie am richtigen Ort sind. Es ist ein Dilemma, dienen 
zu wollen, dies aber nicht so tun zu können, wie man möchte.

In einer solchen Situation befanden sich auch Paulus und Silas, als sie in Philippi im Gefängnis sassen – angekettet und eingesperrt ist es schwer, Gutes zu tun. Doch eines wussten sie: Kein Gefängnis dieser Welt konnte sie daran hindern, Gott zu loben! Manchmal scheinen unsere Lebensumstände wie ein Gefängnis: wir stecken fest und können nicht tun, was wir eigentlich möchten. Doch diese Situation ist eine Chance, uns im höchsten Dienen zu üben: Gott loben und unsere Mitmenschen lieben – gerade dann, wenn diese der Grund unserer «Gefangenschaft» sind. Statt nur nach «geistlichen Ämtern» zu streben, wollen wir den Dienst am Reich Gottes auch in unserem Alltag entdecken. Das kann persönlich entlasten und gleichzeitig zu einem fruchtbaren und erfüllten Leben beitragen.

«Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, denn ihr wisst, dass ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet. Dient dem Herrn Christus!» Kolosser 3,23+24

Bericht ist in der März-Ausgabe vom wort-wärch erschienen. | Text: Markus Richner-Mai | Bilder: zVg, pixabay