Reformationsjahr in Genf eingeläutet

Die kulturellen Wirkungen der Reformation sind 500 Jahre später in Europa allgegenwärtig. Sie war auch für die Geschichte der Eidgenossenschaft wegweisend. Dies machte Bundesrat Alain Berset zum Beginn des Jubiläumsjahres am 3. November in Genf deutlich. Gottfried Locher vom Kirchenbund und der EKD-Ratspräsident Heinrich Bedford-Strohm eröffneten den Reformationstruck.

Das Geschichtenmobil wird in den nächsten Monaten 67 Städte der Reformation in 19 Ländern anfahren. In Bern hält es sich am 3. und 4. Januar 2017 auf. Mit einem Festakt in Anwesenheit von Bundesrat Alain Berset und Genfer Magistraten eröffneten Gottfried Locher vom SEK und der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm das internationale Jahr «500 Jahre Reformation».

Der Stationenweg, den der Truck abfährt, bringt das Netzwerk zum Ausdruck, das die Orte der Reformation verband und wesentlich zur Entwicklung Europas beitrug. Dies betonte Bundesrat Berset in seiner Ansprache vor geladenen Gästen und Medienvertretern. Die Reformation habe mit ihrer «geistigen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Dynamik seit einem halben Jahrtausend weite Teile der Welt» geprägt. Die Schweiz sei «eines der Epizentren dieses geistigen und gesellschaftlichen Erdbebens» gewesen.

Konfessionelle Vielfalt als Weg der Schweiz
Alain Berset würdigte die kulturellen und politischen Wirkungen der Reformation eingehend. Durch sie sei der Wert des Einzelnen deutlich geworden. Sie habe auf Bildung fokussiert und das Autonomiestreben der Aufklärung ermöglicht. Der helvetische Staatsaufbau von unten nach oben verdanke sich reformierten Ideen, sagte der katholische SP-Bundesrat. Die Reformation habe zu einer konfessionellen Vielfalt geführt; in der Folge hätten Schweizer Protestanten und Katholiken früh geübt, miteinander zu handeln. Zuvor schon habe die Einigung von Zürcher und Genfer Reformierten in der Abendmahlslehre 1549 das Band zwischen den Sprachregionen gestärkt.

Als grösste historische Leistung bezeichnete Berset, dass die Eidgenossen ihre enormen Spannungen immer wieder überwanden und zusammenblieben. Dass Katholiken und Protestanten nahe aufeinander lebten, habe den Druck erhöht, pragmatische Lösungen zu finden und eine Kultur der Rücksichtnahme zu entwickeln. Die Reformatoren hätten eine kräftige Sozialethik formuliert; mit dieser gelte heute es den sozialen Zusammenhalt bei grosser globaler Verunsicherung zu bewahren. Der SP-Bundesrat lobte das Calvin‘sche Ineinander von unternehmerischem Geist und Sorge fürs Gemeinwohl.

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