Im Gespräch der Vision näher kommen

Wie gewinnt die Landeskirche Zukunft? Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn versuchen Selbstbezogenheit, Verkrustungen und Verhärtungen mit einem Visionsprozess zu überwinden.

Die Synodalen der grössten reformierten Kirche des Landes haben an einer Gesprächssynode am 17. August in Bern Grundfragen des Kirche-Seins erörtert. Vorausgegangen war im letzten Jahr – als erster Schritt des Prozesses «Vision Kirche 21» – das Sammeln von Fragen zur Kirche. Die über 5700 in Versammlungen und online formulierten Fragen wurden in der Auswertung dreizehn Spannungsfeldern zugeordnet. Die Synodalen besprachen sie in Gruppen. Die dreizehn Spannungsfelder (je mit einer prägnanten Frage):

  • Individualität und Gemeinschaft (Wie viel Kirche braucht der Glaube?)
  • Vielfalt und Einheit (Wie offen darf eine Kirche sein, ohne sich selbst zu verlieren?)
  • Seelsorgerliche und politische Kirche (Sind wir nicht zu stark mit uns selbst beschäftigt?)
  • Spiritualität und Theologie (Wie kann man in der Kirche Gott erleben?)
  • Theologische und institutionelle Begründung (Welche Rolle spielt die Bibel und wie sollten wir sie verstehen?)
  • Tradition und Innovation (Wie finden wir als Kirche eine Sprache, die heute verstanden wird?)
  • Geld und Geist (Wie gewinnen wir Marktanteile mit einer befreienden Botschaft?)
  • Präsenz vor Ort und Regionalisierung (Muss jede Gemeinde autonom sein?)
  • Mauern und Menschen (Wie wird Kirche vom Gebäude zur Gemeinschaft?)
  • Professionalität und allgemeines Priestertum (Warum müssen Pfarrer Studierte sein?)
  • Vertrautes und Fremdes (Wie wäre eine gute und konstruktive Zusammenarbeit mit Freikirchen möglich?
  • Kirche für Zielgruppen und Kirche für alle (Wie begeistert die Kirche die Jugend?)
  • Evangelisation und Anerkennung distanzierter Kirchlichkeit (Stirbt unsere Kirche, wenn sie sich nicht missionarisch versteht?)

Zu Beginn des von Sonja Hasler (SRF) moderierten Tages skizzierte der Herzchirurg Thierry Carrel die Bedeutung von Vision für einen Grossbetrieb. Matthias Zeindler, Leiter des Bereichs Theologie der Kirche, stellte den zwei zweistündigen Diskussionsrunden einen geistlichen Impuls voran. Er äusserte, die Kirche in der Welt müsse sich «stets in Spannungsfeldern orientieren». So könne sie sehr unterschiedliche Sichtweisen und Fragen zusammennehmen und für die Erfüllung ihrer Aufgabe fruchtbar machen.

Die Macht des Christus bezeugen

Als Auftrag ist der Kirche nach Zeindler gegeben, den auferstandenen Christus zu verkünden und seine Macht zu bezeugen (Matthäus 28,18-20). Eine Vision gewinne sie «nur dann, wenn sie auf die Bibel hört». So werde es ihr gelingen, nicht zuerst von sich zu sprechen, sondern von Gott. Darin liege die Zukunft der Kirche, schloss Zeindler.

Jede Gesprächsgruppe hatte den Auftrag, am Ende der zwei Stunden drei Leitsätze zum besprochenen Spannungsfeld abzugeben. Daraus wird eine Expertengruppe in den nächsten Monaten den Entwurf einer Vision destillieren. Die Vision soll am Kirchenfest am 10. September 2017 in Bern feierlich proklamiert werden.

Website zum Visionsprozess  

Bilder: refbejuso