Reformierte Landeskirche: «Stellt Fragen!»

Die reformierte Landeskirche will sich auf Wesentliches besinnen, das ihr Zukunft eröffnet. Der Visionsprozess „Kirche 21“ beginnt in diesem Jahr damit, dass die Kirche Fragen sammelt. Sie lädt alle ein, im Internet Fragen einzugeben. Pfarrer, Angestellte und Kirchgemeindepräsidenten werden derzeit in elf regionalen Konferenzen zusammengerufen.

So wie bisher geht es mit der Berner Landeskirche nicht weiter. Auf welcher Grundlage, mit welcher Vision lässt sich die Kirche künftig gestalten? 2013 führte eine Gesprächssynode in Grenchen zum einmütigen Beschluss, eine Vision „Kirche 21“ zu entwerfen. Sie soll mit Leitsätzen Orientierung vermitteln.

Vision – ein Geschenk

Dies nicht einfach machbar: Nach reformiertem Verständnis ist es die Schrift, welche die Kirche reformiert und sie in den Stand setzt, jeder Generation zu dienen. Dies hebt Synodalrat Iwan Schulthess an der Konferenz im Bürenpark in Bern am 17. August hervor. So gehe es wesentlich darum, zu vernehmen, „was uns die Bibel zu sagen hat“. Der Projektleiter von „Kirche 21“ verweist aufs Alte Testament: Vision ist ein Geschenk, nicht zu erfinden, sondern zu finden.

Der Prozess ist laut Schulthess ergebnisoffen. Die Erwartungen reichen weit: „Mit Vision wird eine motivierende, weiterführende Kraft verbunden. Ein Bild von Zukunft, wohin man gehen möchte. Eine Sehnsucht, dass man gleich aufbrechen möchte, um das Ziel zu erreichen.“

Dass der Prozess in einem bewegten Umfeld geschieht, macht Synodalratspräsident Andreas Zeller deutlich. Er stellt „Kirche 21“ in den Zusammenhang der laufenden Entwicklungen (Kirche-Staat, Reformationsjubiläum 2017). In zwölf Gesprächsgruppen geht es dann darum, Fragen zu formulieren, auf die, wie der Moderator Dieter Achtnich formuliert, eine „wiedergewonnene Vision von Kirche“ Antwort zu geben hat.

„Wozu bekennen wir uns?“

Da kommt Handfestes zur Sprache: Kasualien, schlecht besuchte Gottesdienste, die Mühe, das Evangelium verständlich zu vermitteln, Relevanz in der Gesellschaft. Und neben Praktischem auch Grundlegendes: „Wie erhält Gott Raum in der Kirche?“ – „Warum soll man zum Abendmahl gehen?“ – „Wozu bekennen wir uns?“. Eine grosse Bandbreite von Fragen, die in der Kirche gestellt oder an sie herangetragen werden, kommt im Bürenpark in den Blick.

Und das ist beabsichtigt. In der dreistündigen Konferenz habe er „eine Kirche gespürt, in der man offen miteinander redet“, bilanziert Schulthess sichtlich zufrieden. Die Fragen werden nun gesammelt, zusammengestellt und analysiert. , so dass in einem Jahr eine Aussprachesynode Antworten formulieren kann. 2017 will die Berner Kirche durch die Vision gestärkt ein Fest feiern.

Bis Ende Februar 2016 werden Fragen online entgegengenommen. Schulthess verweist auf die Webseite www.kirche21.refbejuso.ch, wo wöchentlich 15 neue Fragen aufgeschaltet werden. Viel mehr werden noch erwartet – auch aus den landeskirchlichen Gemeinschaften wie dem EGW.