Kanton und Landeskirchen: Regierung legt ihre Absichten dar

Die Kantonsregierung will den Landeskirchen mehr Freiheit geben und sich Sparmöglichkeiten eröffnen. Die Geistlichen sollen von den Kirchen angestellt und bezahlt werden. Unklar ist, was die Kirchenvertreter mit ihren Einwänden bewirken.

Bern hat seit dem 19. Jahrhundert keine Staatskirche mehr, doch besoldet der Staat als Entschädigung für das Kirchengut, das er 1804 an sich nahm, die Geistlichen. Und er hat die Aufsicht über Organisation und Finanzen. Nach dem Willen des Regierungsrates soll die Lohnzahlung aufhören, die Aufsicht gelockert werden, da der Bevölkerungsanteil der Landeskirchen schrumpft (2013: Reformierte 57 Prozent, Katholiken 16 Prozent).

Für die Anerkennung anderer Religionsgemeinschaften will die Regierung vorderhand kein Gesetz ausarbeiten; es habe derzeit politisch keine Chance, beschied Kirchendirektor Christoph Neuhaus am 27. März die Medien. «Anstelle von Anerkennungen sind andere Massnahmen zur Förderung von Religionsgemeinschaften, die gesellschaftlich relevante Leistungen erbringen, zu prüfen.»

Mit Bedacht sparen?
Laut dem Regierungsrat gilt es, das Verhältnis des Staats zu den Landeskirchen «mit Bedacht den neuen gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen und weiterzuentwickeln». Er will dies ohne Verfassungsänderung mit einer Totalrevision des Kirchengesetzes erreichen. Dabei soll die Autonomie der Landeskirchen gestärkt werden. Dass der Grosse Rat die Gemeindepfarrstellen bestimmt, sei nicht mehr zeitgemäss. Die Versorgung der Kirchgemeinden mit Pfarrern sei eine «innerkirchliche Angelegenheit». Daher will der Kanton ihre Anstellung, Besoldung und Führung den Landeskirchen übergeben.

Mit Verweis auf einen Expertenbericht betonte der reformierte Synodalratspräsident Andreas Zeller vor den Medien, die Leistungen der Kirchen für die Gesellschaft überstiegen die vom Staat eingesetzten Mittel deutlich. Er kritisierte die Sparabsichten der Regierung. Die Kirche wolle «nicht Arbeitgeberin werden, ohne entsprechend ausgestattet zu sein». Der Präsident des Pfarrvereins Michael Graf ging einen Schritt weiter: Die Pfarrer wollten Angestellte des Staates bleiben. – Auf die weitere öffentliche Debatte kann man gespannt sein.