• In Kapernaum

Die Berge Israels und die Jahreslosung

Wir nehmen die Jahreslosung als Verheissung für uns. Bei Prophetenworten, die an das alttestamentliche Volk Israel gerichtet wurden, hilft es, den Zusammenhang einzubeziehen. Ezechiel 36 enthält eine dramatische Botschaft – an die Berge Israels.

Die Verheissungen der Propheten folgen auf Gerichtsansagen. Ezechiel hat den Bergen Israels Gericht angesagt, weil auf ihnen viele Kultstätten standen (c. 6). Der dort praktizierte Götzendienst stiess Jahwe ab: Dass die Israeliten in Jerusalem ihn (oberflächlich) verehrten und auf den Höhen der Berge zugleich anderen Gottheiten und Mächten opferten, akzeptierte er nicht.

Die Weissagung für die Berge Israels (c. 36) folgt auf die Weissagung gegen das Bergland Edom (c. 35). Die Edomiter sind das Nachbarvolk, das sich seit dem Konflikt zwischen den beiden Stammvätern Jakob und Esau immer wieder feindlich gegen Israel stellte.

Worte des Propheten Obadja legen eine Deutung nahe: Offenbar töteten Edomiter Israeliten, die beim babylonischen Feldzug gegen Jerusalem aus ihrer Heimat flüchteten, oder lieferten sie dem Feind aus. Zudem beteiligten sie sich an der Plünderung Jerusalems und weideten sich am Unglück der Israeliten (Ob 11-14). Die Edomiter gehören zu den Feinden, die über Juda spotten und sich gebärden, als könnten sie es beerben (Ez 34,28-29; 36,2-4).

In der Ehre getroffen …

Dies trifft Gott in seiner Ehre, denn er ist der eigentliche Besitzer des Landes und seiner Berge. Als Priester ist Ezechiel um die Reinheit des Volkes und des Landes besorgt. Waren es zuvor die Israeliten, die mit ihren Altären die Berge und das ganze Land verunreinigten (36,17-18), sind es nun benachbarte Völker, die der Versuchung erliegen, Israel (und mit ihm seinen Gott Jahwe) zu verhöhnen und die Berge und die Täler (Weideland 36,5) für sich zu beanspruchen.

Auffällig an der Weissagung ist: Gott spricht durch den Propheten primär das Land bzw. die Berge an, damit aber auch sein Volk, die Menschen. So bringt das Kapitel zum Ausdruck, dass Gottes Heilsidee für das Land und sein Heilsplan für das Volk der Israeliten untrennbar miteinander verknüpft sind: Sie erfahren Gottes Schalom in seinem Land und sind verantwortlich dafür, es zu seiner Ehre zu bewohnen.

… wird Gott aktiv

Gott identifiziert sich so mit seinem Volk, dass der Hohn, der die Israeliten trifft, auch ihn trifft. Das lässt er nicht auf sich sitzen; deswegen erhebt er seine Hand, wird aktiv (36,7). Die Berge Israels sind dazu bestimmt, die Herrlichkeit und Schönheit von Gott Jahwe auszudrücken; es ehrt ihn, wenn sie bepflanzt werden und viele Menschen und Tiere auf ihnen leben (36,9-12).

In der ersten Deportation der Oberschicht Jerusalems durch die Babylonier im Jahr 597 v. Chr. ist auch Ezechiel selbst nach Mesopotamien verschleppt worden. Den Abfall des damals eingesetzten Vasallen Zedekja bestraft der Grosskönig Nebukadnezzar mit der Zerstörung Jerusalems und seines Tempels und der Deportation der meisten Jerusalemer im Jahr 586. Die Stadt und das Land veröden.

Doppeltes Problem souverän gelöst

Dies gereicht Jahwe nicht zur Ehre. Und zu alledem kommt, dass die Deportierten ihm in der Verbannung keine Ehre machen. „Ihr habt“, so Ezechiel, „meinen heiligen Namen entweiht unter den Nationen, wohin immer ihr gekommen seid“ (36,22).

Der Gott Israels hat – menschlich ausgedrückt – ein doppeltes Problem. Er löst es souverän: Er bringt sein Volk auf wunderbare Weise zurück in sein Land. Und er erneuert es so, dass es fortan ihm zur Ehre lebt. So wird er sich vor den Augen der Völker und ihrer Herrscher als der eine wahre Gott erweisen, der Geschichte schreibt (36,22-32). Die Klammer um diese Aussagen ist: „Nicht euretwegen greife ich ein, Haus Israel, sondern für meinen heiligen Namen!“ (36,22.32).

Wiederherstellung

Die Weissagungen, in deren Mitte die Jahreslosung steht, meinen Wiederherstellung. In der Folge wird der Wiederaufbau des Landes beschrieben (36,33-38); doch erst mit der Wiederbelebung der verdorrten Gebeine – eine der gewaltigsten Visionen der Bibel – wird „das ganze Haus Israel“ wiederhergestellt werden (37,1-14; v. 14 wiederholt 36,26).

Die Jahreslosung benennt den Kern dessen, was Gott tun wird: „Ich werde euch ein neues Herz geben, und in euer Inneres lege ich einen neuen Geist“ (NZÜ). Gott macht Menschen im Innersten neu, damit sie so leben, wie es ihnen gut tut und Gott ehrt.

In der Entwicklung messianischer Gemeinden in Israel und anderen Ländern erfüllt sich das Wort derzeit an Jüdinnen und Juden. Die Jahreslosung macht darüber hinaus Mut, die Erneuerung des Herzens auch für uns selbst und für Menschen aus allen Völkern zu erbitten.