Jahresfest der Gemeinschaft

Mit feierlichen Klängen begrüsst der Posaunenchor die zahlreichen Besucher aus den Bezirken in der Mehrzweckhalle des Waffenplatzes Bern. Wilhelm Risto zaubert ein Smiley auf den Flip Chart und ruft auf, dem Herrn mit Freuden zu dienen. In ihren Grussworten knüpfen die Co-Präsidenten Hansueli Wüthrich und Erwin Bänteli an den alten Bernfesten an. Mit dem neuen Ort, der wieder ein ganztägiges Fest möglich macht, sind neue Möglichkeiten für Begegnungen untereinander und mit Gott gegeben. Die musikalische Umrahmung und die Begleitung des Singens besorgen mit dem Posaunenchor die Brassband Philadelphia aus Frutigen und eine Lobpreisband aus dem Bezirk Hasle-Rüegsau.

Das ultimative Ziel
Markus Giger, Pfarrer der reformierten Jugendkirche „streetchurch“ in Zürich, fragt in der Predigt: Wenn die Kirche die meisten jungen Menschen kalt lässt, stellt sich die Frage drängender, worum es denn in der Kirche geht. Um ansprechende Gottesdienste? Um gute Unterhaltung? Um die Gemeinschaft der Gläubigen? Warum gehst du in deine Gemeinde? Mit C. S. Lewis formuliert Giger das ultimative Ziel der Kirche: „die Menschen in Christus hinein zu ziehen, sie zu kleinen Christussen werden zu lassen“. Im Büchlein „Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen ist zu lesen: „Unser Leben soll ein zweites Leben Jesu werden.“ Wir sind als Christen dazu da, einander zu helfen, Jesus nachzuahmen. Der Heilige Geist hilft uns, dass unser Leben Jesus ähnlicher wird. Wir sollen Barmherzigkeit üben gerade an denen, die Jesus noch nicht kennen.

Anhand der Fusswaschung (Johannes 13) zeigt der Streetchurch-Pfarrer auf, wie Jesus die Menschen schockiert hat. Jesus unterbricht das Essen, entblösst den Oberkörper (was sonst nur Sklaven taten) und besteht darauf, auch Petrus zu dienen, der erst abwehrt. Wir müssen uns von Jesus dienen lassen, sonst haben wir keinen Teil an ihm. Jesus will dann aber auch, dass wir ebenso handeln, dass wir dienen, wie er gedient hat. Unsere Bestimmung findet im Dienen seine Erfüllung.

Mit uns selbst beschäftigt?
Viele Christen befassen sich ständig mit Gemeinde-Angelegenheiten und tun in der Gesellschaft nicht, was sie ständig zu tun behaupten. Laut Giger haben sie, mit sich selbst beschäftigt, keine Zeit für die Menschen, die Jesus noch nicht kennen. „Was würde geschehen, wenn wir begännen, in der absoluten Haltung des Dienens nach dem Vorbild Jesu auf Menschen zuzugehen?“ Giger wünscht sich, dass immer mehr Menschen zu leben beginnen, wie Jesus gelebt hat, und in der Haltung des Füsse-Waschens dienen. Der Heilige Geist zeigt uns, was das Waschen der Füsse für uns heute bedeuten kann. Zum Dienen gehört, enttäuscht zu werden. Das war auch für Jesus so – aber er diente einfach weiter. Was tue ich? Wir sollen auf den Heiligen Geist hören und die Haltung des absoluten Dienens darf unsere Gemeinden erfassen. Menschen um uns herum wird es so leichter fallen, sich Jesus zu öffnen.

Aufgaben sehen und anpacken
Über Mittag geniessen die Besucher die Köstlichkeiten, die Teams aus Bezirken an Ständen anbieten. Am Nachmittag wird’s praktisch. Thomas Gerber weist zu Beginn des Podiums darauf hin, dass es Christen waren, die die sozialen Einrichtungen in Europa aufbauten. Im Sozialstaat wird Dienen zur kreativen Herausforderung. Margrit Aegerter berichtet vom Mittagstisch in Steffisburg, Erika Freiburghaus (Münchenbuchsee) von der Paten-Vermittlung für Migranten. Markus Giger betont: Der Staat kann zwar materielle Not lindern, aber nicht lieben; dazu braucht es engagierte Menschen in der Spur Jesu. Nach dem Podium erfreut der Anbetungstanz einer Gruppe aus Brienz Augen und Ohren der Teilnehmer. Mit einem musikalischen Lob (Martin Jufer und Band) klingt das gelungene Jahresfest 2015 aus.

Predigt von Markus Giger nachhören