30 Jahre Frontiers: Zu früh für Freudensprünge

Das Evangelium überschreitet Grenzen, überspringt Hürden. Die Organisation Frontiers arbeitet daran, dass Muslime es vernehmen und Nachfolger von Jesus werden. Dies geschieht in unserer Generation wie noch nie zuvor. Am 27. Februar hat der Schweizer Frontiers-Zweig sein 30jähriges Bestehen gefeiert.

Seit der Gründung von Frontiers in der Schweiz reisten 166 Leute in 39 islamische Länder aus. Die 39 Flaggen schmücken an der Feier in Wetzikon die Bühne. Über tausend Jahre haben Schweizer Frontiers-Leute insgesamt in diesen Ländern – von Mauretanien bis Kasachstan, China und den Komoren – verbracht, um Muslime einzuladen, mit Jesus zu leben.

«Too early to celebrate» – zu früh zum Feiern ist es für Frontiers, da weltweit noch Hunderte islamische Volksgruppen keine christliche Gemeinde haben. Doch am Jubiläum überwiegt die Freude über die entstandenen Gemeinden in vielen Ländern, die sich teils multiplizieren.

Glaube an Gottes Möglichkeiten

Am Beginn der Veranstaltung steht ein Rückblick auf die Anfänge um 1980. Der US-Amerikaner Greg Livingstone fand für die Nordafrika-Mission so viele Mitarbeiter, dass es dieser zu viel wurde und man ihn bat, eine eigene Organisation zu gründen. Zögernd tat Livingstone den Schritt.

Der Schweizer Evangelist Heinz Strupler erzählt, wie Livingstone ihn bei Operation Mobilisation lehrte, das Unmögliche anzugehen. Strupler brachte den Amerikaner mit Schweizern zusammen, die ab 1986 Frontiers hierzulande aufbauten – die erste Base in Europa. Nun, 30 Jahre später, ruft Strupler den Versammelten zu, das Evangelium unerschrocken und auf alle möglichen Weisen zu verkündigen. «Geht! Seid bereit, einen Preis zu bezahlen!» Per Video kommen zwei der erfahrensten Schweizer Frontiers-Leute zu Wort; der eine war 58 Tage im Gefängnis.

Damit das Haus voll werde

Friedrich Leonhardt, internationaler Direktor von Frontiers, knüpft seinen Rückblick an das Gleichnis, das Jesus vom Festmahl erzählt (Lukas 14,16-24). Zur Ehre des Gastgebers soll sein Haus voll werden! Darum schickt er seine Diener, nachdem viele Geladene abgesagt haben, weiter aus – an die Hecken und Zäune. Auf sie fokussiert Frontiers – auf jene Gebiete, die trotz globaler Verbreitung des Christentums vom Evangelium bisher kaum berührt sind und keine christlichen Gemeinden haben. Am Lausanner Weltmissionskongress 1974 prägte Ralph Winter den Begriff der unerreichten Völker. Den islamischen unter ihnen wollen Frontiers-Teams das Evangelium vermitteln, indem sie es kulturgerecht darlegen und vorleben.

Botschaft ohne westliche Hülsen

Leonhardt schildert, wie nach 1970 die islamische Welt ins öffentliche Bewusstsein rückte, und erwähnt den eklatanten Mangel an christlichen Zeugen in ihr: Unter einem Fünftel der Weltbevölkerung arbeitete nicht einmal einer von hundert Missionaren. Jene Christen, die dies ändern wollten, erkannten, dass die Botschaft kontextualisiert werden musste. Das Vorgehen des Apostels Paulus, der auf seinen Reisen auch als Zeltmacher arbeitete und Teams bildete, bot sich an.

Eigenständige Teams

Frontiers-Teams bilden sich durch Initiative Einzelner, wählen ihre Arbeitsweise selbst und sind weitgehend unabhängig. Seit einigen Jahren konzentrieren sich viele Frontiers-Leute vermehrt auf sogenannte «Menschen des Friedens» (Matthäus 10,11-13), über die das Evangelium in ganze Gemeinschaften einsickern kann. Muslime sollen als Nachfolger von Jesus in ihrer Kultur bleiben. Leonhardt erzählt von einem, der noch 100 Familien besuchen wollte, bevor er sich taufen liesse (und dadurch ev. die Verstossung riskieren würde).

Leonhardt und die Schweizer Frontiers-Leiter verschweigen an der Feier nicht, dass vermeidbare Fehler gemacht wurden. Einzelne Mitarbeiter verloren ihr Leben, andere stiegen aus. Frontiers sei auch von Arroganz geprägt gewesen: «Wir können’s, wir machen, was bisher niemand gemacht hat.» Die Bewegung habe darüber Busse tun müssen, sagt Leonhardt.

Ernüchterung in der islamischen Welt

Ein Frontiers-Mann der ersten Stunde teilt per Video, was ihn bewegt: «Tausende von Muslimen kommen zum Glauben.» Doch Dutzende Volksgruppen sind ohne christliches Zeugnis. Und für Hunderte Millionen gibt es noch keine gut zugängliche christliche Gemeinde. Friedrich Leonhardt verweist auf eine Studie von David Garrison.* Danach hat es im islamischen Raum bis zum Ende des 19. Jahrhunderts keine Bewegungen gegeben, in denen sich mehr als 1000 Muslime freiwillig Jesus zuwandten und dies mit der Taufe bezeugten. Fürs 20. Jahrhundert zählte Garrison ein Dutzend und nun, im angebrochenen 21. Jahrhundert, bereits 69!

Dazu tragen laut Leonhardt neben vermehrten Efforts zur Vermittlung des Evangeliums die Globalisierung, neue Medien und die zunehmende Ernüchterung über islamistische Gewalt bei. Und Koran-Übersetzungen in die Muttersprachen der Muslime: «Je mehr Korane übersetzt werden, desto mehr fragen Muslime.» Leonhardt und seine Mitarbeiter sehen die Aufgabe durch die Unruhe in der islamischen Welt enorm wachsen und appellieren an christlichen Pioniergeist: «Gott tut etwas unter Muslimen, was es in den vierzehn Jahrhunderten seit der Entstehung des Islam nicht gab!»

Peter Schmid, Redaktion

* David Garrison, A Wind in the House of Islam, Monument, Co., USA, 2014, 978-1-939124-04-3