• Schulung in der Kirche

Christus in Indien

Am 6. Mai hat OM Schweiz in Winterthur sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Mitarbeitende berichteten, wie sie in ihrer Arbeit den auferstandenen Christus erleben. In Indien hat OM auf die gesellschaftliche Entwicklung reagiert und sich unabsehbar verändert.

Der Fokus an diesem Nachmittag liegt auf Indien. Im Riesenland arbeiten so viele Menschen bei OM wie im Rest der Welt. Der Leiter Joseph D’Souza skizziert, was in den letzten zwei Jahrzehnten unter dem Druck der Ereignisse abging: Unter der ersten Hindu-Regierung wandte sich OM 1999 den Dalits (Kastenlosen) zu und unterstützte ihre Emanzipationsbemühungen. D’Souza engagierte sich im All India Christian Council, der Diskriminierung und Verfolgung unionsweit dokumentierte.

In Solidarität mit den Dalit-Leitern, welche um Unterstützung in der Befreiung ihrer Kinder ersuchten,  begann OM Schulen zu gründen, die den Armen offenstehen. 107 English Medium Schools (englisch sprachige Schulbildung) haben heute 26‘000 Schüler, vornehmlich aus den untersten Schichten. Die beiden ungleichen Zweige von OM arbeiten in enger Partnerschaft. D’Souza dankte für die Unterstützung aus der Schweiz.

Der nächste grosse Schritt war Gemeindegründung: Indische OMer starteten unter grossem Kopfschütteln (auch in der OM-Familie) „Good Sheperd Community Churches“ (GSCC). Daraus entstand die „Good Shepherd“ Kirche mit bereits über 3000 Gemeinden. Joseph D’Souza kontrastierte dies mit den Anfängen von OM in Indien, als Teams teils unter extremen Umständen Traktate verteilten. „Wir arbeiteten jahrelang ohne Frucht; jetzt sind wir umgeben von GSCC-Gemeinden.“

Einzigartiger Teil von OM
Der langjährige OM-Leiter hat die junge Kirche nahe bei den anglikanischen Grosskirchen von Nord- und Südindien positioniert; ihre Registrierung auf Unions-Ebene gelang. Kirche, Sozialwerk, Schulorganisation und Mission sind rechtlich getrennt. „Wir sind immer noch Teil der OM-Familie, aber wenn wir es einem Westler erklären wollen, gelingt es nicht.“

Das politische Umfeld für die indischen NGOs hat sich in den letzten Jahren dramatisch gewandelt; 20‘000 Organisationen hat der Staat die Registrierung nicht erneuert! „Beamte haben uns gezeigt, was wir zu verbessern hatten“, sagt Joseph D’Souza. Gott habe es OM erlaubt, sich sechs oder zwölf Monate im voraus auf kommende Anforderungen einzustellen.

Nach Schweizer Vorbild wollen die OM-Schulen künftig Berufslehren anbieten. Ausländer könnten jetzt als Ausbilder in Indien angestellt werden. „Hätten wir uns je träumen lassen, welche Bedeutung unsere Schulen haben würden?“

Keine Scheu vor Öffentlichkeit
Der unerschrockene Leiter scheut das Gespräch mit Hindu-Politikern im Machtzentrum nicht und hebt dabei hervor, was Christen zu einem besseren Indien beitragen. Zugleich kritisiert er unverhohlen die Missstände in der grössten Demokratie der Welt. Die Armen leiden. Konfliktpotenziale gibt es zu Hauf; religiös geschürte Emotionen in Elendsgebieten können zu blutigen Unruhen führen.

Nachdem der christliche Bevölkerungsanteil zugenommen hat, wird Muslimen und Christen heute Geld gezahlt, wenn sie Hindus werden. „It is a difficult time to survive.“ Die weitere Entwicklung hange vom Regierungschef Narendra Modi ab, sagt D‘Souza. Modi habe es in der Hand, einen radikalen Hindu zum Regierungschef des grössten Gliedstaates Uttar Pradesh (200 Millionen Menschen!) zu machen.

Hineinspringen in das, was Gott tut
Joseph D’Souza hebt in seiner Ansprache hervor, was OM Indien bei alledem mit dem Rest der OM-Familie verbindet: Als DNA nennt er Vision und sie begleitende Leidenschaft: „ein sechster Sinn für das, was Gott in der Welt tut – und dann hineinspringen“. Er und die anderen OMer hätten das Kastenwesen nicht verstanden; „aber wir merkten, dass etwas aufbrach“.

Als zweites Stück OM-Erbgut bezeichnete er „die Freiheit, radikal zu sein“. Er räumt Fehler aus evangelistischem Übermut ein – zwei „verrückte Teams“ mitten im Hindu-Festival Kumbh Mela. Drittens nannte D’Souza das Vertrauen in die Einheimischen und somit das Nein zu westlicher Besserwisserei und Paternalismus, die Ermächtigung von Einheimischen – und dass die westlichen OMer mit ihnen, den jungen Indern, ganz einfach gelebt, gegessen und geschlafen hätten. „Sonst hätten wir nie verstanden, was es bedeutet, uns auf die Stufe der Dalits zu begeben.“

Schnappschüsse
Die Beiträge aus Indien sind eingerahmt von "Schnappschüssen": Mitarbeitende, die von OM Schweiz ausgesandt wurden, geben nach einem Podium, in dem der Schweizer OM-Leiter Markus Flückiger mit Pionieren zurückblickt, Einblick in ihre Arbeit auf drei Kontinenten. Eine junge Muslima in Deutschland will sich taufen lassen: „Immer wenn ich im Namen von Mohammed zu Gott bete, höre ich nichts. Wenn ich im Namen von Jesus zu Gott bete, hört er mich.“ Mit einem Bericht aus Sambia macht Evi Haldimann anschaulich, wie OMer Menschen helfen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.