Brian Doerksen in der Spur Davids

Die Psalmen der Bibel sprengen die Konventionen der westlichen Worship-Musik. Ihr prominentester Vertreter, der Kanadier Brian Doerksen, sucht mit der Vertonung der Psalmen die ganze Breite der menschlichen Erfahrungen und Emotionen einzuholen.

Bei einem Auftritt an den christlichen Musiktagen in St. Gallen am 6. Juni mischten Doerksen und seine Shyir Poets neue Psalmlieder mit seinen weltweit gesungenen Songs. In den Psalmen sei neben Lob und Zuversicht auch Verzweiflung, auch der Schrei über Gewalt und Ungerechtigkeit zu hören. Sie helfen uns, „ehrlich und wahrhaftig zu sein“, sagte Doerksen in der Olma-Halle.

Die neue Formation mit der Sängerin Teresa Trask hat in einer ersten CD die Psalmen 1-10 vertont. Psalm 6 setzt zur Bitte um Wiederherstellung den Wunsch nach Vergeltung: „May all my enemies turn back in shame when you restore me!“. Psalm 10 trug die Band als Protestsong vor, Psalm 18 als Lied der Ungeduld.

Reichtum christlicher Musik

Die Christlichen Musiktage in St. Gallen brachten 35 Brassformationen aus der ganzen Schweiz zusammen, dazu 150 Gospelsänger, Dutzende von Pop- und Rockmusikern, Singer-Songwritern, Hip-Hopper und Rappern, Jazzformationen, ein Sinfonieorchester und 22 Alphornbläser. Mit ihnen kam auch das ökumenische Kirchenklangfest cantars ans Ende, das seit Ende März in 13 Schweizer Städten stattgefunden hatte.

Hoffnung gemeinsam ausdrücken

Im ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen wirkten 270 Brass-Musiker/innen mit. Der St. Galler Kirchenratspräsident Martin Schmidt und der Einsiedler Abt Urban Federer predigten miteinander – brüderlich – über den Weg zu christlicher Einheit (Epheser 4,1-4). In der Musik könne die Hoffnung gemeinsam ausgedrückt werden, sagte Abt Urban. Es gelte nicht Argumente auszutauschen, sondern in eine Richtung zu blicken, fügte Schmidt hinzu. Und stimmte einen Kanon an als Zeichen dafür, „wie Mehrstimmigkeit zur Einheit führen kann“.

Oh Happy Day

Der festliche Gottesdienst schloss mit dem Gospelsong „Oh Happy Day“. Ihn hatte am Abend zuvor, an der Amazing Praise Night, Edwin Hawkins vorgetragen. Der Song, 1968 aufgenommen, ging um die Welt. Wohltuend bescheiden, brachte Hawkins mit drei Sängerinnen die emotionale Tiefe und Wucht des Black Gospel auf die Olma-Bühne und führte die Anwesenden mitten im Konzert in die Anbetung Gottes.

Die begeisternde Vielfalt christlicher Musik zeigte an der Amazing Praise Night eingangs die Staff Band des Christlichen Musikverbandes Schweiz unter Christian Bachmann: Blasmusik vom Feinsten, virtuos und mit grandiosen Steigerungen dargeboten. Und spätabends, nach Brass, Doerksen und Hawkins, fuhr die holländische Band Trinity ein ...