Bern ist «Reformationsstadt»

Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät hat am 20. September von Gottfried Locher, Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, das Label «Reformationsstadt» entgegengenommen.

Die Reformation des 16. Jahrhunderts stiess vor allem in den Städten Westeuropas auf fruchtbaren Boden. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) hat deshalb im Vorfeld des 500-Jahr-Jubiläums ein Label entwickelt, das sie rund 70 Städten in Europa verliehen hat (in der Schweiz acht). Gottfried Locher zeigte sich im Erlacherhof unweit des Münsters hocherfreut, als Berner Bürger und Berner Pfarrer die Urkunde an Alexander Tschäppät zu überreichen.

Stark im Kollektiv
Der Stadtpräsident skizzierte vor den Medien kurz das Werden und die Eigenart der Berner Reformation. Der Held sei keine Einzelperson gewesen, sondern das Kollektiv. «Dieses ur-bernische Verhalten lässt sich selbst heute immer und immer wieder beobachten. Geht es in Bern ums Eingemachte, dann wollen alle dabei sein, mitreden und mitentscheiden.» Der Entscheid werde dann auch vom Kollektiv getragen und nicht mehr torpediert, sagte Tschäppät.

Weittragender Entscheid
An der Disputation 1528, die zehn Tage (!) dauerte, nahmen 450 Personen teil. Der folgende Ratsbeschluss hatte historisch weitreichende Folgen: «Wäre Bern nicht reformiert worden, hätten weder die bisher reformiert gewordenen Stände bestehen können, noch hätte sich die Reformation via Waadt und Genf in die Welt hinaus verbreitet.»

Noch heute sei die Stellung Berns zwischen Zürich und Genf spürbar, bemerkte Gottfried Locher. Das Label soll unterstreichen, welche Wirkungen die Reformation für Politik und Gesellschaft, Kunst, Kultur und Spiritualität hatte.

Reformationsjubiläum in Stadt und Landschaft
Im Jubiläumsjahr 2017 wendet sich die Berner reformierte Kirche gemeinsam mit verschiedenen politischen und kulturellen Institutionen an die interessierte Öffentlichkeit. Anhand von über 50 Veranstaltungen und Projekten werden die Wirkungen der Reformation präsentiert.

Synodalratspräsident Andreas Zeller und Andreas Hirschi von der Gesamtkirchgemeinde Bern erwähnten die grosse Ausstellung über Niklaus Manuel Deutsch (ab Oktober 2016), das Kirchenfest in der Innenstadt (10. September 2017), Bach-Kantatenkonzerte durch die vereinigten jurassischen Kirchenchöre und ein gesamteuropäisches Treffen von protestantischen Synodalen.

Für Auge und Ohr
Geplant ist zudem eine „Raumsinfonie» inklusive Lichtchoreografie des Berner Münsterorganisten Daniel Glaus zur Neueröffnung des renovierten „himmlischen Hofs“ in der Hauptkirche. Zu Pfingsten soll es eine ökumenische Pilgerreise von Flüeli Ranft nach Bern geben. Die Christkatholiken der Stadt tragen eine Ausstellung über Jan Hus bei; in der offenen Heiliggeistkirche werden Ikonen zu sehen sein.

Andreas Zeller wies auch auf die Hauptschwierigkeit des Jubiläums hin: Zentrale Begriffe der Reformation seien für viele Menschen nicht mehr verständlich. «Damit wird auch die kirchliche Verkündigung erschwert, wodurch die Bedeutung der Kirche für das Individuum wie für die Gesellschaft abnimmt.» Die Kirche solle nun zwischen den Aussagen der Reformatoren und heutigen Ansichten eine Brücke schlagen. Wenn nicht mehr die Angst vor dem Fegefeuer herrsche, «welches sind die heutigen Höllen, in denen die Menschen leben?»

Website zum Berner Reformationsjubiläum