• Hören, Beten, Singen
    Geistliche Impülse auf der Heubühne
  • Stabilität und Flexibilität
    Der Eigen-Hof bei Grünenmatt im Emmental

«Die Gemeinde braucht Stürmer und Bremser»

Die Kirche hat die Inhalte des Glaubens zu bewahren, während sie in den Formen mit der Zeit geht. Die Unterscheidung erläuterte Karl Albietz an der Eigen-Konferenz.

Alle reden vom Neuen, sagte der pensionierte Chrischona-Direktor in seinem Vortrag am 15. Juli. Dabei drängt sich nicht nur Senioren die Frage auf, wie viel Altes bewahrt und verteidigt werden muss. Seine Beweglichkeit habe durchs Alter nachgelassen, sagte der 75Jährige, der 2015 einen Herzinfarkt erlitt.

Die Gemeinde von Jesus hat sich an veränderte Verhältnisse anzupassen – trotz der Mahnung von Paulus, sich nicht den Schemata der Welt gleichzustellen (Römer 12,2). „Wenn wir uns wehren wollen, nützt es nichts. Als alter Mann habe ich manchmal den Eindruck: Es geht immer anders, als ich möchte“, äusserte Albietz. „Doch wenn wir uns nicht verändern, werden wir bedeutungslos.“

Was ist zu bewahren?
Für den Ostschweizer Theologen gilt es, den Inhalt des christlichen Glaubens, der ein für allemal fest steht, von den zeitbedingten Formen zu unterscheiden. „Das Fundament ist gelegt, niemand kann ein anderes legen“ (1. Korinther 3,11). Unaufgebbar sind die zentralen Glaubensinhalte – die Bibel als Wort Gottes, Gott der Schöpfer, Jesus als Menschensohn und Gottessohn, der Heilige Geist, Bekehrung und Wiedergeburt als Eintritt ins Reich Gottes, verbindliche ethische Gebote und der Weg der Heiligung.

Andererseits könnten manche Lehren und Auffassungen (zur Inspiration der Schrift, zur Wiederkunft von Jesus, zur Gestaltung des Gottesdienstes, zum Verhalten in der Gesellschaft und zur Politik etc.) unterschiedlich bewertet und begründet werden. Albietz vertrat die Meinung, dass Jesus für die Gemeinde „nicht alles festgelegt hat. Er liess vieles offen im Vertrauen auf den Heiligen Geist, der in alle Wahrheit führt, der Klarheit gibt in den noch unklaren Details.“

Stabil und wandlungsfähig
Aufs Ganze gesehen, so der Theologie, gibt das Wort Gottes Stabilität – seit Jahrhunderten. „Und der Heilige Geist gibt uns Flexibilität.“ Die Welt kreiere ständig neue Probleme, die neue Antworten erforderten. „Wir holen sie im Hören auf Gott und seinen Heiligen Geist.“ Unter der Leitung des Geistes dürften und sollten Christen – konkret: Leitungen der Gemeinden –den Spielraum selbst definieren.

Karl Albietz rief dazu auf, der jungen Generation die Gelegenheit zu geben, ihre Ideen zu entwickeln. Die Gemeinde brauche «Stürmer und Bremser» – aber keine Fraktion dürfe über die andere dominieren. Junge sollten gebremst werden, doch nicht permanent und grundsätzlich. „Sie müssen vorwärts gehen können.“ Konservative hätten Führungen von Gott her dankbar zu begrüssen. „Die Progressiven müssen sich kritische Rückfragen gefallen lassen.“

Wie viel Altes muss verteidigt werden?    Den Vortrag von Karl Albietz nachhören