• Versöhnt leben - heldenhaft handeln
    Eigen-Konferenz 2019

Im Zug der Versöhnung

Vielfältig verletzt, können wir doch durch Vergebung Gottes Duft in der Welt verströmen. Die Eigen-Konferenz 2019 bot eine Reise zur Versöhnung an.

Wenn Konflikte und Kränkungen Wunden hinterlassen haben, fährt der Zug der Versöhnung – der Wiederherstellung heiler Beziehungen – über mehrere Stationen. Einfach zu vergeben (was Christen geboten ist) reicht nicht hin. Eindringlich und freundlich lud die Seelsorgerin Evelyne Schären an der EGW-Sommerkonferenz auf dem Eigenhof bei Grünenmatt im Emmental zu dieser Reise ein. An drei Abenden ging sie ein auf die Wunden, die das Leben schlägt, und benannte Stationen der Heilung.

Grundlegend für die Versöhnung mit Menschen ist die Versöhnung mit Gott durch Jesus Christus. Dann, im Zug, gilt es laut Schären wahr zu sein, Geschehenes nicht zu beschönigen, Schmerz und Trauer zuzulassen. Dann ist eigene und fremde Schuld abzuladen und zu entsorgen. „Wir entlassen Mitmenschen und auch uns selbst aus dem Gefängnis der Unversöhnlichkeit und so werden belastende Situationen aus unserer Vergangenheit allmählich entmachtet.“ Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Evelyne Schären mahnte: „Wir können uns nicht leisten, unversöhnt zu leben.“ Der Preis ist zu hoch. „Unverarbeitete Kränkungen machen krank.“

Umsteigen!
Jene, die noch nachtragen, können aus dem Zug der bitteren Unversöhnlichkeit, der in die Gegenrichtung fährt, bei jeder Station umsteigen. Die Fahrt im Zug der Versöhnung ist schon bezahlt; er fährt jederzeit ab – und Begleiter sind erwünscht. Evelyne Schären erzählte von einer jungen Frau, die in der Schule gemobbt worden war. Jahre später entschloss sie sich, ihren Kolleginnen einzeln zu vergeben. Sie schrieb Schuldscheine und vernichtete sie.

Im Zug der Versöhnung haben sich manche zu lösen von falschen Reaktionsmustern. Festlegungen („Arbeitgeber sind Ausbeuter“) seien für ungültig zu erklären, riet Schären, und alle Waffen, die zur Rache benützt werden könnten, abzugeben. Nach vielen Stationen kommt das Ziel in Sicht: Versöhnung.

Fülle des Lebens – und eine Familientragödie
Sieben weitere Referenten legten alt- und neutestamentliche Texte aus, vom Versöhnungstag über den grossen Plan Gottes für die Völker zum Streit zwischen Barnabas und Paulus und zur Fülle des Lebens, die Jesus Christus am Kreuz eröffnet. Von ihm beauftragt, können Christen Agenten der Versöhnung sein und in einer Welt von Gewalt, Härte und Bitterkeit heldenhaft wirken. Am Sonntag blickten über 500 Besucher in den Abgrund der Qual. Mirjam Neis erzählte, was sie und ihre Familie traf: Ihr Bruder hatte die Grosseltern ermordet. Jahre später tat Gott ihr einen Weg auf, ihm zu vergeben.

Am Nachmittag wurde der lange Weg deutlich, den Opfer gehen, bis sie sagen: Ich will, ich muss vergeben. Nur so erlangen sie innere Freiheit. Die viertägige Konferenz endete mit der Feier des Abendmahls.

Ausführliche Berichte folgen.