Vreneli und Hansjoggeli

Starke, impulsive Frauen und Männer ohne Zukunftsaussichten oder ohne Rückgrat spielen in Schwarzenburg „Ds Vreneli ab em Guggisberg“. Ein berührender Abend, an dem eine Liebe an Ansprüchen und Zwängereien zugrunde geht.

Die Zeiten der alten Eidgenossenschaft waren so idyllisch nicht. Die Berner Obrigkeit schlägt 1653 den Bauernaufstand, den sie mit unsinnigen Massnahmen provoziert hat, erbarmungslos nieder. So wächst Vreneli ohne Vater auf. Wie Rösli, ihre Mutter, im entlegenen Haus Zigeuner aufnimmt und versteckt, ist das Unheil nur eine Denunziation weit weg. Und die vollbringt der Herr Pfarrer …

Fein begleitet ein grosser Chor die Uraufführung des Stücks von Markus Keller. Das melancholische Volkslied, dem die Legende vom Vreneli entsprungen sein dürfte, singt er in vielen Variationen in die Szenen ein. Und geleitet die Zuschauer singend und musizierend vom ersten Spielplatz im Than zum zweiten beim neu hinter dem Schloss Schwarzenburg errichteten renovierten Tätschdachhaus.

Der helle Tag, an dem sich Vreneli und der Geissenbauer Hansjoggeli (ausdrucksstark Franziska Winkler und Tom Lüthi) ihre Liebe schenken, weicht der Dämmerung, in der nach Zigeunern gefahndet wird und der Junker höhere Steuern eintreibt. Der Sohn des Ammanns, Vrenelis Vormunds, ist nicht zimperlich. Über dem urchigen Haus bricht die Dunkelheit herein. Rösli, die Witwe, kommt unter die Räder, Hansjoggeli flieht, da er sich als Totschläger wähnt. Vreneli zerbricht daran.

Wie fern ist das 17. Jahrhundert? Gewiss werden Kinder nicht mehr versprochen wie damals. Doch gefeilscht, getäuscht und gedroht wird weiterhin, neu auch digital. Anders als damals finden alle Jungen, die arbeiten wollen, hierzulande Arbeit. Söldnerdienste haben an Attraktivität verloren. So berührt die Tragödie einer zarten Liebe als Mahnung aus alter Zeit, vom Chor und Musikern und dem starken Laienensemble der Bühne Schwarzenburg ins Heute übersetzt.

Aufführungen bis 27. August (die meisten Abende ausverkauft).
Infos:
www.buehne-schwarzenburg.ch